Die Vorhersage war gut, wir waren sehr gut vorbereitet und voll motiviert. Wir hatten ein eigenes Zimmer in der Heart of Elbrus und wurden somit auch nicht gestört, als wir uns schon gegen 19:00 in die Schlafsäcke verzogen hatten. Die Nacht war recht kurz, gegen 01:00 Uhr haben wir uns noch etwas verschlafen aber voll motiviert zum Frühstück getroffen. Danach erfolgte ein Ausrüstungscheck und schon liefen wir gegen 02:00 Uhr los. Eine kleine Reihe Bergsteiger waren schon unterwegs, die sich im Schein der Stirnlampen den Berg hinauf schlängelten, ein wirklich tolles Bild. Auch der Elbrus mit seinem Doppelgipfel, schneeweiß und unter einem klaren Sternenhimmel war wirklich ein beeindruckender Anblick. Weiter ging der Gipfeltag durch das Dunkel der Nacht.
Die Temperaturen am Elbrus sind mitunter Extrem. Bei uns waren es -15°C und zum Glück kein Wind. Gerade in der Dunkelheit ging es etwas langsamer voran als am Tag. So schafften wir in einer Stunde ca. 250 – 300 Höhenmeter. An uns vorbei fuhren die Pistenraupen, die gern als Aufstiegshilfe genutzt werden, denn die Ratrakts bringen die Gäste immer bis zum Pastuchov Felsen und lassen dann „nur“ 700 Höhenmeter des eigentlichen Aufstieges übrig. Noch vor Sonnenaufgang, ca. um 05:00 Uhr morgens hatten wir den Pastuchov Felsen erreicht. Von hier aus querten wir unterhalb des Ostgipfels, bis wir den Elbrus Sattel (zwischen Ost und Westgipfel) erreicht hatten. Kurz vor Erreichen der 5.300 Meter kämpfte sich die Sonne über den Horizont. Für alle Bergsteiger gaben die ersten Sonnenstrahlen des Tages nochmal einen kleinen Energieschub. Vom Elbrus Sattel aus ging es dann zum Aufstieg des Westgipfels, ein Blick von 5.642 Meter wartete auf uns.
Durch ein Fixseil gesichert, stiegen wir die steilen Passage zum Gipfel auf. Kurz vor dem Gipfel hangen wir uns aus dem Fixseil aus und gingen das letzte Stück zum Elbrus Gipfel frei. Zwar ist das Plateau kurz vor dem Gipfel recht groß, der Gipfel an sich bietet aber maximal Platz für eine kleine Gruppe. Wir genossen den Blick vom höchsten Berg Europas in vollen Zügen. Swanetien und die Berge des Kaukasus lagen uns zu Füßen und geben eine tolle Gipfelszenerie. Da sich im Laufe unseres Aufstieges das Wetter verändert hatte und wir am Gipfel des Elbrus mit starken Winden und extrem kalten Temperaturen zu kämpfen hatten, machten wir uns gleich wieder an den Abstieg. Nach dem Abstieg über das Fixseil ging es über den langen Seitenhang zurück zum Pastuchov Felsen und vorbei an der Prijut 11 zur Hütte zurück.
Da wir zeitlich sehr gut unterwegs waren, nahmen wir auch die Seilbahn nach Asau und fuhren am Nachmittag in unser Hotel zurück. Eine heiße Dusche, ein kühles Bier, leckeres Essen und ein komfortables Bett warteten als Belohnung auf uns.