Elbrus Erfahrungsbericht – Meine Welt Reisen

Ich habe gut geschlafen. Man kann in T-Shirt vor die Tür Zähle putzen. Es ist ein herrlicher Tag mitten im Kaukasus. Stoisch liegen der Westgipfel und der Ostgipfel vor uns. Wenn man genau hinschaut, erkennt man auf dem weissen Schnee zwei Gruppen, die sich auf den Sattel zubewegen. Sie sind heute auf Gipfelmission. Gegen Mitternacht haben wir sie noch beim Aufbruch gehört. …morgen um diese Zeit sind wir an dieser Stelle. Wow! Den Vormittag nutzen wir für einige wichtige Rescue-Übungen am Berg. Das Sichern mit dem Eispickel beim Rutschen und auch das Sichern am Seil steht auf dem Programm. Aber keine körperlichen Anstrengungen mehr. Für mich ist es eher auch ein Ablenkungsprogramm von der Aufregung. Irina verwöhnt uns zum Mittag mit einem frisch gekochten Dreigang-Menü. Sie meint wir brauchen Kraft. Ach nee. Sogar Mittagsruhe ist angesagt. Ich versuche zu schlafen aber das scheint kurz vor dem Aufbruch zum Gipfel des Elbrus nicht möglich. Unser Guide Gia telefoniert mit zwei weiteren Guides, die eine Stunde später eintreffen. Sie werden uns begleiten. Die Wetterprognose ist: Schneesturm in der Nacht, Aufklaren gegen 06:00 Uhr, ab Mittag Sturm am Gipfel. Echt gute Aussichten für den Tag, es könnte auch durchgehend Schneesturm sein. Am Nachmittag erhalten wir unser finales Briefing bezüglich des Ablaufs, andere Gruppen am Berg, Verhalten bei Schwäche, Krafteinteilung für den Abstieg etc. Noch einmal gibt Irina in der Kombüse alles. Die Gasbrenner des Herdes feuern aus alles Rohren. Der Duft in der Dieselhütte ist eine seltsame Mischung. Ich möchte es nicht näher beschreiben. Nochmals sortieren und prüfen wir die gesamte Ausrüstung nach dem Abendessen und trinken soviel Tee, wie es nur geht. Auch die Thermosflaschen sind befüllt. Festgelegte Startzeit ist 2:00 Uhr, allgemeines Wecken ist 0:30 Uhr.  

Es geht los. Noch eine Runde Tee und Kekse. Dann Anziehen, Steigeisen anlegen, Stirnlampe ausrichten. 1:55 Uhr haben wir in bewährter Formation Aufstellung aufgenommen. Im Lichtkegel der Stirnlampe wirkt der Schneesturm wie eine Discokugel. Den Weg auf der ersten Stunde kennen wir. Danach wird es steil. Man sieht nicht viel aber es ist unheimlich anstrengend. Serpentine für Serpentine bewegen wir uns in Schlängellinie zum Pastuchov Felsen und weiter bis zur Wegmarke der alten Pistenraupe. In der Morgendämmerung erkennt man jetzt die Umrisse vom höchsten Berg Europas. Im dem Sonnenaufgang erleben wir körperlich und mental einen großen Motivation Schub. Das sich brechende Sonnenlicht ist unbeschreiblich schön. Die aufgehende Sonne über Rußland verschafft uns gleicht etwas wohltuende Wärme. Die Traverse wird etwas flacher und weniger anstrengend, ist aber endlos. Ich erinnere mich an den gestrigen Morgen. Zähne putzen fällt heute aus. Ich suche im Tal die Prijut11 Hütte aber ich kann sie nicht entdecken, denn ich muß mich bei jedem Schritt auf dem Weg Richtung Sedliwina Sattel konzentrieren. Zwei Stunden später haben den Sattel erreicht. Zeit für eine etwas längere Verpflegungspause. Der Puls kann sich kurz herunterfahren. Es gibt eine kurze Anweisung des Guides die Stöcke einzupacken und den Eispickel zur Hilfe zu nehmen. Auf die kommenden 200 hm werden wir buchstäblich „an die Leine genommen“. Wir greifen in drei 4er Seilschaften den Westgipfel an und können bereits das Gipfelplateau erahnen. Tatsächlich kommen uns auch schon die ersten entgegen, die uns schon beglückwünschen. Das motiviert und unheimlich. Die 3 Russen rufen uns zu, sie gehen besteigen jetzt noch den Ostgipfel. Was für eine schier unglaubliche Leistung! Dann ist es soweit. Ich sehe in einiger Entfernung Bergsteiger mit einer spanischen und einer kroatischen Flagge in der Hand. Das muß der Gipfel sein. Ab jetzt weiß ich, dass meine Kraft reichen wird anzukommen und ich kann jeden einzelnen Schritt genießen. Auf dem Westgipfel des Elbrus auf 5.642 m angekommen beglückwünschen wir uns gegenseitig und liegen uns in den Armen. Mit der eigenen Gruppe und mit fremden Menschen. Dieses Gefühl der erfolgreichen Besteigung des Dach Europas läßt sich mit Worten schwer beschreiben. Man muß es selbst erleben. Es bietet sich ein hervorragender Rundumblick auf den Dychtau (5.204m), den Koshtan-Tau (5.151 m), Dzhangi-Tau (5.051 m) und auf den Kasbek (5.047 m) in Georgien. 

Nach einem Moment der Stille und Besinnung trinken wir reichlich und machen uns an den Abstieg bis zur Diesel Hut. Wir sind jetzt 8 Stunden unterwegs und die Höhe fordert ihren Tribut. Mit nachlassender Kondition wird auch die Konzentration immer schwieriger. Gegenseitig halten wir uns mit Gesprächen bei Laune und freuen uns über dieses große Erlebnis. Gegen 14 Uhr erreichen wir die Dieselhütte. Es dauert keine Stunde bis nach uns die drei Russen eintreten, die heute erste den Westgipfel und anschließend den Ostgipfel bezwungen haben. Das soll aber unseren Erfolg nicht schmälern. Ich bin stolz den zweiten Seven Summit nach dem Kilimanjaro bezwungen zu haben. 

Tatsächlich bekommen wir noch die Seilbahn und entscheiden, heute ins Tal zu fahren. Die bessere Luft im Tal und frische Kleidung sind uns die Zusatzkosten im Hotel wert. Den Sicherheitstag, den wir nicht benötigt haben, geniessen wir bei einem Spaziergang zum Forellenteich und einem frischen Fisch vom Grill. Es ist ein gelungener Abschluss der Reise. Am Abend erhalten wir unser Gipfel-Zertifikat. Es fließt reichlich Bier und Wodka bei uns und anderen Gruppen aus Finnland und Israel. 

Stolz und zufrieden fahren wir am nächsten Morgen zum Flughafen. Aeroflot bringt uns planmäßig am Nachmittag nach Berlin und am selben Abend erreiche ich noch Nürnberg. Zwei von uns bleiben noch 3 Tage in Moskau zum Sightseeing. Unterwegs in der Bahn erreicht mich eine Flut von Bilder aus meiner Gruppe. Wir haben schon drüber gesprochen, ob wir nicht mit Meine Welt Reisen auch den Aconcagua buchen sollen

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